Presse/ Texte

 

Der Mensch ist ein Teil der Natur. Jedoch scheint er ihr über die Jahrhunderte entwachsen zu sein. Seine Kultur hat sich zu einem Gegenpol entwickelt, der das Natürliche begreifbar, verfügbar und überwindbar zu machen versucht. In der heutigen Gegenwart hat diese Entwicklung vielleicht ihren Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig wird aber auch die Dringlichkeit gewahr, sich der Verantwortung gegenüber der Natur und damit sich selbst bewusst zu werden.

Dieses Bewusstsein ist für Markus Zender und seine Objektserie Organics (WPC, Wood Plastic Composites) von entscheidender Bedeutung. Die verwitterten Teile von Bäumen sind partiell mit schwarzem Kunststoffgranulat überschmolzen. Wie ein Schwarm künstlicher Organismen wuchern die glänzenden Kügelchen entlang der knorrigen Oberfläche des Holzes. Sie überformen seine Struktur und somit die Geschichte seines natürlichen Wachstums. Der Parasit verleibt sich seinen Wirt ein, der unter der zähen Masse zum Todholz erstarrt. Doch so diametral sich beide Werkstoffe gegenüberstehen, sind sie doch Teil desselben Zyklus. Kunststoff ist ein synthetisches Produkt, das aus den Harzen und Ölen längst zersetzter organischer Rohstoffe entsteht. Hier zeigt sich die Komplexität und Untrennbarkeit des Verhältnisses von Kultur und Natur. Die Serie WPC weckt die Achtsamkeit für diesen sensiblen Kreislauf, mit der allein ein Zusammenwachsen beider Bereiche möglich ist.

Alexandra Orth, MA

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Autos, Autos, Menschen in Autos rasen vorbei: eine stark befahrene Straße in Trier-West. Es scheint als bestehe die gesamte Welt aus Werkstätten, Gebrauchtwagenhändlern und großen Werbetafeln. Für Markus Zender ist dies Inspiration und Materialquelle zugleich. Die Autos sind dabei nur Ausdruck für den hohen Mobilitätsstandard in einer schnelllebigen Zeit und lenken den Blick auf das Thema Nachhaltigkeit. Wie gehen wir mit Material um? Welchen Bezug haben wir noch zu unseren Ressourcen? Hochwertig und großflächig beklebte Werbetafeln können auch bei Tempo 60 noch erkannt werden. Die Plakate hängen zeitlich begrenzt und werden im Überschuss gedruckt, der Plakatierer könnte ja Fehler machen. Diese wertvollen Materialien der Überproduktion nutzt der Künstler für seinen Fundus. In dem Werkzyklus Dynamics wird Bewegung suggeriert. Nähe und Distanz im Wechselspiel führen den Betrachter hinein in einen abstrakten Raum, in dem es keine inhaltlichen Anhaltspunkte und keine Bildaussage gibt. Der Betrachter sieht etwas, was er sonst nicht findet – einen visuellen Ursprung. Konträr zur Werbung, die auf klare Wiederholungen abzielt, entzieht er den Botschaften durch Abstraktion ihre Grundlage. Es gelingt nicht, sich an das Gesehene zu erinnern. Jedes erneute Anschauen wird zum ersten Mal. Hinaus aus der Zweidimensionalität arbeitet Markus Zender thematisch weiter und entwickelt sein erstes Relief. Das Werk Butterfly entsteht. Dreidimensional und doch weiterhin flach wie ein Tafelbild. Dabei verwendet er „alte“ Stoßstangenverkleidungen und nutzt diese für seine Assemblagearbeit, die ebenfalls zur Reflektion über Nachhaltigkeit anregt. Inhaltlich bleibt er zwar variabel, wird nun formal konkret und lässt dabei keinen Interpretationsspielraum übrig. Ein Schmetterling ist ein Schmetterling! Was in grafischer Gründlichkeit mit Blick auf die Komposition bei den Collagen noch fein wirkte, wird nun gröber. Der Künstler schneidet Autoteile auseinander und vertieft damit den Blick auf sein Sekundärthema: den organisierten, seriellen Überfluss. Frei und hemmungslos mit dem für sich neu entdeckten Material (Autoteile) geht Markus Zender in seiner Arbeit konsequent noch einen Schritt weiter. Er bespielt den dreidimensionalen Raum und Cocoon erwacht. Der Kokon wirkt organisch-technisch. Das Material und dessen Verwendung regen zum haptischen Erleben an. Man will es anfassen, aufbrechen und hineinsehen. Aus Abfall wird etwas Neues erschaffen: ein Statussymbol in Konkurrenz zum Auto? Oder doch eigenständig und losgelöst? Symbolisch für die Metamorphose von Zenders künstlerischer Arbeit präsentiert sich hier die Hülle als angedockter Schutzraum für Wachstum und Verwandlung. Sie ist mit der Architektur verbunden und fordert heraus – hier bin ich! Die Videoarbeit Carcrash, eine abstrakte Inszenierung in Zeitlupe, schließt den Kreis von Abstraktion und konkreter Bildaussage. Die Ästhetik der bewegten Bilder steht dabei in starkem Kontrast zu den Ursprüngen des Videomaterials (Crashtests). Markus Zender entzieht den Bildern ihre Bedeutung und bietet erneut visuellen Freiraum an. Stehen bleiben geht nicht – weiter geht’s!

Laas Koehler

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Trierischer Volksfreund 19.05.2011

Den geistigen wie materiellen Raum thematisiert der in Trier lebende Markus Zender in seinen abstrakten Collagen „Dynamics“, die er auch zum Wettbewerb eingereicht hat. Aus alten Plakaten schneidet er Stücke und abstrakte Formen und klebt sie zu vielschichtigen farbenprächtigen Räumen zusammen. „Dynamics“ ist eine Art endlose Geschichte, die Zender ganz spontan als Bilderfolge nach Lust und Laune liegenlässt oder weitererzählt. Überhaupt sind es die Lust und Laune, die den gelernten Grafiker vor allem zur freien Kunst drängen. „In der Kunst fühle ich mich ungebunden und frei“, sagt der 1969 geborene Künstler. Frei wählt er auch gern seine Mittel.
Zender ist ein Multi-Media-Künstler, der vom Video zum Schweißapparat wechselt, um ein Objekt herzustellen und anschließend mit einem Spezialgerät die Stücke für seine Collagen schneidet. „Ich spiele gern“, dieses Credo gehört für den Trierer Künstler auch zur Lust an der Kunst. Die Auseinandersetzung mit dem Raum gehört für Zender zu den großen Herausforderungen. Und überdies: „Ich möchte auch, dass sich für den Betrachter ein ästhetischer Genuss ergibt“. Was ganz besonders für Zenders „Dynamics“ gilt.

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Rathauszeitung 10.05.11

Markus Zender geht mit seinen Arbeiten in den Raum. Er spielt mit ihm, verändert ihn und fordert Freiraum. Seine Themen sind die oft von vornherein kalkulierte Überproduktion an Gebrauchsgütern, die hohe Qualität von Weggeworfenem und damit der übermäßige Konsum und die Kurzlebigkeit von Massenwaren. Für seine Arbeiten verwertet Zender verworfene, nicht mehr gebrauchte Dinge, bevorzugt alte Autoteile wie Stoßstangen oder Metallverkleidungen. Diese schneidet er auseinander und fügt sie zu neuen Kompositionen zusammen. Vormals arbeitete er mit Papier, das er zu Collagen klebte, jetzt wachsen seine Objekte dreidimensional in den Raum hinein.

Mit dem Verwerten von Altem will Zender zur Reflektion zum Thema Nachhaltigkeit und Überproduktion anregen. Vermeintlicher Müll dient als Arbeitsmaterial, aus dem Neues entsteht.

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Trierischer Volksfreund 11.05.11

Mit seiner Aktion „Art Bin“ mischt der Künstler Michael Landy derzeit die Londoner Kunstszene auf: Er bittet Kollegen, Werke in einer überdimensionale Mülltonne zu entsorgen. Die Resonanz in der Region Trier ist geteilt.

Trier. Von „schockierenden Szenen“, spricht Künstler Michael Landy und von einem „Monument kreativen Scheiterns“: Er hat in der South London Gallery eine zehn mal 15 Meter große und vier Meter hohe Mülltonne installiert und andere Künstler aufgefordert, in dieser „Art Bin“ unliebsam gewordene oder unvollendet gebliebene Kunstwerke zu entsorgen. Teilnehmer aus aller Welt haben sich angesagt. Was halten Künstler der Region von der Aktion?

Die Schöndorfer Objektkünstlerin Marita Massoth kennt den Gedanken, Werke loswerden zu wollen: In ihrem Atelier landet Nichtgelungenes durchaus schon mal in der Tonne – allerdings in der eigenen.

Auch Sabine Wissmann, Malerin und Designerin aus Trier, könnte sich vorstellen, einen „Beitrag“ zu einer „Art Bin“ zu leisten. Doch sie plädiert für eine sinnvollere Nutzung als das Zerstören.

Das sehen die meisten anderen Künstler in der Region genauso: „Bilder sind Visionen aus der Seele eines Träumers und immer etwas wert“, findet Jasmin Schreiner, Aquarellmalerin aus Saarburg. Sie würde Kunstwerke lieber verschenken als vernichten.

Auch der Trierer Fotograf Sade plädiert dafür, die Tonne samt Inhalt zu erhalten. Argument: Die Idee sei schon ein Kunstwerk.

Der Trierer Grafiker und Medienkünstler Markus Zender scherzt, er werde sich aus seinen großformatigen Arbeiten einmal einen Altersruhesitz bauen.

Und Jutta Limburg, Malerin und Objektkünstlerin aus Trier, empfiehlt Michael Landy: „Der soll doch seine eigenen Sachen wegwerfen.“ Sie hält die Aktion für eine Marketingluftblase. Limburg erinnert an die Trierer Künstlerin Uta Stahl (1959 – 2003): Sie verbrannte seinerzeit aus Protest über mangelnden Kunstkauf-Enthusiasmus eigene Werke.

Der Maler Patrick Rödig aus Trier schließlich lehnt jegliche Zerstörung künstlerischer Werke mit Vehemenz ab. Mit Abscheu erinnert er sich an den elsässischen Kunsträuber, der zwischen 1995 und 2001 mehr als 200 Werke aus europäischen Museen stahl. Nach seiner Verhaftung entsorgte seine Mutter einen Großteil der Beute – darunter Bilder von berühmten Künstlern wie Cranach, Breughel und Dürer – indem sie sie schredderte oder im Fluss versenkte. Rödigs Kommentar zur Londoner Aktion: „Man muss ja nicht jeden Müll mitmachen.“

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Trierischer Volksfreund 11.04.11

Das Kunst-Kombinat-Trier meint, es gebe zu wenig bezahlbaren Atelierraum in Trier. Es möchte, dass die Stadt den Künstlern hilft, bezahlbare Räume zu finden. Weitere Wünsche an die Adresse der Stadt sammelte es bei seiner jüngsten Performance „Bei mir ist kein Platz – ich komm‘ zu Euch!“ ein.

Trier. Mit der Ausstellung des Anhänger-Ateliers will das Kunst-Kombinat-Trier gemeinsam mit Markus Zender und Oliver Wetter auf die Ateliersituation von Künstlern in Trier aufmerksam machen.

Mit der jüngsten kunst-politischen Initiative „Bei mir ist kein Platz – ich komm‘ zu Euch!“ sammelt es Wunschlisten von Kulturschaffenden an die Stadt ein. Zugleich sucht es das Gespräch mit der Öffentlichkeit über die unbefriedigende Arbeitssituation von Künstlern.

„Wir wollen mit der Politik und der Öffentlichkeit über Kunst sprechen und erreichen, dass sie sich für die Probleme der Kulturschaffenden interessieren und einsetzen“, sagt Laas Koehler über die Aktion. Das Kunst-Kombinat-Trier wolle in circa zwei Wochen die Wunschzettel an Kulturdezernet Thomas Egger übergeben. Weitere Wunschzettel könnten noch in den kommenden Tagen bei der Artothek in der Tuchfabrik abgegeben oder über die Website www.myspace.de/kunstkombinattrier geschickt werden.

„Wir haben auch einen leeren Wunschzettel bekommen, den wir natürlich auch überreichen wollen“, sagt er. Deshalb seien die meisten Künstler aber nicht wunschlos, fügt er schmunzelnd an. Im Laufe der Aktion sei es zu vielen interessanten Gesprächen gekommen. Und damit habe der Dialog bereits begonnen. „Wichtig ist, dass wir das Thema weiter verfolgen“, meint Koehler und versichert, dass das Kunst-Kombinat am Ball bleibe.

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Trierischer Volksfreund 11.04.10

Das Kunst-Kombinat-Trier meint, es gebe zu wenig bezahlbaren Atelierraum in Trier. Es möchte, dass die Stadt den Künstlern hilft, bezahlbare Räume zu finden. Weitere Wünsche an die Adresse der Stadt sammelte es bei seiner jüngsten Performance „Bei mir ist kein Platz – ich komm‘ zu Euch!“ ein.

Trier. Mit seinem Fahrrad zieht Laas Koehler das Atelier seines Freundes Markus Zender auf einem Anhänger hinter sich her zum Kornmarkt. Mit der Ausstellung des Anhänger-Ateliers will das Kunst-Kombinat-Trier gemeinsam mit Markus Zender und Oliver Wetter auf die Ateliersituation von Künstlern in Trier aufmerksam machen.

Mit der jüngsten kunst-politischen Initiative „Bei mir ist kein Platz – ich komm‘ zu Euch!“ sammelt es Wunschlisten von Kulturschaffenden an die Stadt ein. Zugleich sucht es das Gespräch mit der Öffentlichkeit über die unbefriedigende Arbeitssituation von Künstlern.

„Wir wollen mit der Politik und der Öffentlichkeit über Kunst sprechen und erreichen, dass sie sich für die Probleme der Kulturschaffenden interessieren und einsetzen“, sagt Laas Koehler über die Aktion. Das Kunst-Kombinat-Trier wolle in circa zwei Wochen die Wunschzettel an Kulturdezernet Thomas Egger übergeben. Weitere Wunschzettel könnten noch in den kommenden Tagen bei der Artothek in der Tuchfabrik abgegeben oder über die Website www.myspace.de/kunstkombinattrier geschickt werden.

„Wir haben auch einen leeren Wunschzettel bekommen, den wir natürlich auch überreichen wollen“, sagt er. Deshalb seien die meisten Künstler aber nicht wunschlos, fügt er schmunzelnd an. Im Laufe der Aktion sei es zu vielen interessanten Gesprächen gekommen. Und damit habe der Dialog bereits begonnen. „Wichtig ist, dass wir das Thema weiter verfolgen“, meint Koehler und versichert, dass das Kunst-Kombinat am Ball bleibe.
Markus Zender und Laas Koehler bereiten die Aktion „Bei mir ist kein Platz – ich komm‘ zu Euch!“ vor. TV-Foto: Max Henning Schumitz

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Kurzinterview nach der Eröffnung der „Dynamics“ Ausstellung im Amtsgericht Trier am 14.01.2008

Int.: ………………..warum arbeiten Sie in der Collagetechnik?
M.Z.: Es gibt so viel bedrucktes Papier wie nie zuvor. Es liegt viel davon herum. Mir gefällt Papier wegen seiner Sauberkeit.
Int.: Sie sammeln also das Papier für Ihre Arbeiten?
M.Z.: Der durchschnittliche Papierverbrauch pro Kopf ist in Deutschland seit 1950
kontinuierlich von 30 kg jährlich auf 250 kg jährlich gestiegen. Mir scheint es gibt zu viele Bäume. Mein Arbeitsmaterial stammt ausschließlich aus Kampagnen der Außenwerbung. Die haben gutes, haltbares und UV-beständiges Material. Der ständige
Wechsel des verfügbaren Materials macht Spaß und ist eine sich immer erneuernde Herausforderung für die Papercut`s.
Int.: Ihre Arbeiten aus dem Werkzyklus „Dynamics“ bestehen also aus Fragmenten der Werbesprache?
M.Z.: Ja, dort kommen die hochwertigen Grafikdesigns – von den superspezialisierten Kollegen der Werbeagenturen zum Einsatz. Es stellt für mich eine Art Genugtuung dar, die Werbebotschaften auf formal – grafische Inhalte zurückzuführen.
Int.: Das hört sich konkret an. Ihre Arbeiten jedoch sind abstrakt. Wie schaffen Sie diesen Brückenschlag?
M.Z.: Bei jeder Arbeit in dem Werkzyklus gab es den Moment, in dem das Bild mir verrät, was es werden will. Dann entscheidet der
Materialfundus und die Tagesform darüber, was es wird. Die Collagetechnik ermöglicht es mir außerdem, ebenso großzügig und schnell, wie treffsicher und spontan im Umgang mit Farben und Texturen zu arbeiten.
Int.: Die neuen Arbeiten aus dem Werkzyklus „Dynamics“ sind auffallend raumergreifend und energiegeladen. Woher kommt das?
M.Z.: Das Raumergreifende kommt von den Plakaten.
Int.: Gibt es dafür ein Rezept?
M.Z.: Ja.

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Text zur Art Fair Shanghai, 20.09.09

In seinen abstrakten Arbeiten versetzt sich Zender in einen Raum der Besinnung, der an die heraklidischen Gestaltungsaxiome erinnert und durch Verben wie aufbrechen – wiederholen – verwerfen – konstruieren – kontrastieren – dekonstruieren beschreibt, wie sich Kunst in ständig veränderten Raumdefinitionen ihren Ausdruck verschafft. Eben noch abstrakter Raum, löst sich dieser in den Werken des Künstlers ganz unvermittelt wieder in seine Einzelteile auf. Zender arbeitet mit bewussten Irritationen, die durch fotografisch abgebildete und digital bearbeitete Strukturinformationen für ständig sich wechselnde Vordergrund-Hintergrund-Situationen sorgen. Dabei erlaubt die Papiercollage dem Künstler jene Spontaneität und Ganzheitlichkeit, die für die Schaffung seiner abstrakten Raumkreationen erforderlich ist.

Markus Zender hat seine Werke bislang vornehmlich in Deutschland präsentiert.
Er wird seine Arbeiten auf der Shanghai Art Fair 2009 erstmals auch dem chinesischen Publikum präsentieren.

(Dr. Stephan Kunkler)